EAWAG: Weltweit führendes Wasserforschungsinstitut

1916 gründete die Naturforschende Gesell­schaft Luzern (NGL) in Kastanienbaum das «Hydrobiologische Laboratorium» und erstellte beim Örtlistein ein kleines Labor im See samt Bootsgarage. Ziel war es, den See mit seinen Organismen zu erforschen und einen Standort für Kurse zu haben. 1938 wurde gut 500 Meter südwestlich ein neues Labor gebaut. Dieses Gebäude, dessen Fassade die Sage von Kastanienbaum erzählt, wurde 2007 renoviert. 1976 wurde der Terrassenbau oberhalb der Seestrasse bezogen, und 1996 konnte auch die Villa Seeheim umgebaut und den Bedürfnissen der Forschung angepasst werden.

Übernahme durch Eawag

1960 schenkte die NGL das Hydrobiologische Laboratorium der ETH. Diese übergab es ihrer damaligen Annexanstalt, der «Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewäs­serschutz» (Eawag). Ich startete im selben Jahr mein Biologiestudium an der ETH und doktorierte vier Jahre später – als erster Doktorand in Kastanienbaum. Bald konn­te ich den Direktor überzeugen, dass zur erfolgreichen Erforschung von Seen verschiedene Disziplinen zusammenarbeiten müssen. So entstand ein interdisziplinäres Team aus Biologen, Physikern, Chemikern und Geologen, das von den Disziplinenchefs alternierend geleitet wurde. Ich forschte bis 2002 und damit insgesamt 38 Jahre lang in Kastanienbaum.

Forschende aus aller Welt

Heute ist die Eawag ein weltweit führendes Wasserforschungsinstitut. Sie engagiert sich in der Lehre, der Forschung und der Bera­tung. Zu ihrem Mitarbeiterstab gehören Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Dies erlaubt es ihr, sowohl natürliche aquatische Ökosysteme als auch technische Trink- und Ab­wassermanagementsysteme zu erforschen und Strategien zur Lösung von Konflikten rund ums Wasser zu entwickeln. Fast 500 Personen aus 50 Nationen arbeiten bei der Eawag, rund 400 in Dübendorf und 100 in Kastanienbaum.

René Gächter, Limnologe, Eawag-Mitarbeiter von 1964 bis 2002