Vom Bauerndorf zur Agglomerationsgemeinde

Wer in der Horwer Geschichte spektakuläre Wahrzeichen oder edle Vorfahren sucht, wird enttäuscht. Aber auch ohne Schlossherren oder ein historisches Dorfzentrum ist die Geschichte Horws wertvoll und geprägt vom Leben von Tausenden von Menschen. Einiges ist auch heute noch sichtbar, anderes ist im Laufe der Zeit verschwunden. So waren es lange Zeit Bauern, Fischer und Handwerker, die das Leben in Horw prägten. Vor allem wegen der Bodenbeschaffenheit verteilten sich die Bauernbetriebe vorwiegend auf der Halbinsel und vereinzelt am unteren Pilatushang.

Horw 1981
Aufnahme von 1981. Damals zählte Horw rund 11’600 Einwohnerinnen und Einwohner, 10% davon waren Ausländerinnen und Ausländer.

Besiedlung des Talbodens

Die zwischen 1890 und 1924 durchgeführten Bachkorrektionen und die Allmendentwässerung machten die Besiedlung grosser Teile des Talbodens erst möglich. Durch die 1889 eingeweihte Brünigbahn, den Ausbau der Strassen, aber auch durch die Postniederlassung und die Einführung der Elektrizität in Horw wurden wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung der Gemeinde im heutigen Zentrum geschaffen. Die gute Wohn-und Verkehrslage begünstigte eine intensive Bautätigkeit. Zwischen 1930 und 1970 hatte Horw das prozentual stärkste Wachstum aller Luzerner Gemeinden; 1968 zählte Horw bereits 10’000 Einwohner. Während die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer in den Achtziger- und zu Beginn der Neunzigerjahre zurückging, nahm die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer bis 2010 kontinuierlich zu. Diese zweite Migrationsphase, nach der Arbeitsmigration der 1950er- und 1960er-Jahre, wurde durch den Wirtschaftsaufschwung der Achtzigerjahre begünstigt. Sie trug zu einer lebendigen Mischung von Kulturen in Horw bei, was sich zum Beispiel in der Gastronomie und im Gewerbe widerspiegelt.

Dorfcharakter verschwindet

Durch die Zunahme der Bevölkerung und die veränderte Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur verschwindet der Dorfcharakter allmählich aus den meisten Quartieren. Aber Horw ist nicht zu einer Stadt geworden, auch wenn die Gemeinde inzwischen über 14’000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt. Die Nähe von Luzern mag ein Hinderungsgrund dafür sein, aber sie macht eine Entwicklung zur Stadt auch nicht notwendig. Als Agglomerationskerngemeinde zählt Horw zu einem Typus, welcher fast 60 % der Schwei­zer Bevölkerung auf 12 % der Landesfläche beherbergt. Typisch für diese Gemeinden ist auch der hohe Pendleranteil. Das Projekt «Horw Mitte» zielt auf eine weitere Urbanisierung mit einer verdichteten Bauweise um den Horwer Bahnhof. Wie stark dieses neue Quartier die Gemeinde Horw verändern wird, werden die nächsten Jahre zeigen.

Benno Zumoberhaus, Gemeindearchivar Horw

Das Bauernhaus «Ober Dorni»
Das Bauernhaus «Ober Dorni» steht bereits 455 Jahre auf der Halbinsel. Es gilt als ältestes sicher datiertes Bauernhaus im Kanton.