Horwer Halbinsel: Leben für das grüne Juwel

Die Halbinsel ist eine grüne Oase. Wiesen und Wälder prägen das Landschaftsbild. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wenig fehlte und die Halbinsel hätte heute das Gesicht der Zürcher Goldküste. Hätte. Der Verein Pro Halbinsel opponierte mit Erfolg und tut es heute noch.

«Wohnraum für 39’000 Einwohner!» So lautete die Vision des Gemeinderates. Sie war im ersten Bau- und Zonenreglement 1969 festgehalten. Das Reglement sah einen Bauzonengürtel von 200 bis 500 Metern Breite ent­lang des ganzen Seeufers vor, der mittels einer Höhenstrasse hätte erschlossen werden sollen. Hätte, denn dazu ist es nie gekommen, obwohl die Horwer Stimmbürger dem Reglement am 1. Juni 1969 zugestimmt hatten.

Gegenpol zur Vision

1970 hatte Horw knapp 10’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Vision von Horw mit viermal mehr Menschen, die Wohnraum und Strassen benötigen, was auf Kosten der Natur und Lebensqualität geht, war für den Horwer Otto Mathias Bucher unvorstellbar. Er gründete 1973 den Verein Pro Halbinsel und amtete 30 Jahre lang als Präsident. Nach seinem Tod übernahm René Gächter das Präsidium. «Ein Horw mit 40’000 Einwohnern war nicht nur für Bucher, sondern auch für viele Horwerinnen und Horwer nicht akzeptabel», erzählt René Gächter. «Die Planung von 1969 war zwar seriös und durchdacht. Das Ziel aber war das falsche.» Mit dem Verein verschaffte sich Otto Mathias Bucher die Einsprachelegi­timation, die er sofort nutzte. Nur drei Tage nach der Gründung reichte der Verein beim Luzerner Regierungsrat eine erste Einsprache ein. Er forderte, dass sämtliche Schonzonen auf der Halbinsel in Schutzzonen umgewandelt würden und im Innern der Halbinsel nur sehr landschaftsschonend gebaut werden darf. Gleichzeitig sammelte er 26’600 Unterschriften für eine Petition zur Erhaltung der Horwer Halbinsel als regionalen Naherholungsraum. Seine Bemühungen trugen Früchte. In den Folgejahren wurde schrittweise zurückgeplant. «Viele Flächen für geplante Siedlungsgebiete wurden aufgrund von Initiativen des Vereins schrittweise wieder der Landwirtschaftszone zugeteilt», erklärt René Gächter. Unter anderem mit der Steinibachried-Initiative zum Schutz der Riedlandschaft von 1978, mit der Winkel-Initiative von 1980 und zwei Felmis-Initiativen zwischen 1980 und 1992.

Kleinräumig schützen

«Die grossen Würfe der Rückzonung sind vorbei», sagt René Gächter. «Heute sind wir froh, wenn auf der Halbinsel nicht wieder Bauland eingezont wird. Wir müssen kleinräumig schützen, was es noch zu schützen gibt.» Die Ziele des Vereins sind dieselben wie bei der Gründung: der Schutz von Landschaft und Natur sowie die Erhaltung der Ortsbilder. «Wenn Bauvorhaben im Widerspruch zu diesen Zielen oder Bauvorschriften stehen, reichen wir eine Einsprache ein – und erhalten oft Recht. Entweder vom Gemeinderat oder von Gerichten. Der Verein soll so lange bestehen bleiben, wie es ihn braucht», sagt René Gächter und ergänzt: «Und jedes Jahr zeigt es sich, dass es ihn noch braucht. In der jüngs­ten Vergangenheit erhob der Verein beispielsweise Einsprachen gegen den Gestaltungsplan Langensand Süd oder eine Tiefgarage an der Seestrasse, weil sie den Anforderungen des Landschaftsschutzes nicht genügten und /oder der Bauordnung widersprachen.»

Zonenplan von 1969.
Ausschnitt aus dem Zonenplan von 1969 mit den geplanten Wohnzonen (orange und rote Flächen) und der geplanten Höhenstrasse (gelb eingezeichnet).

Wo ist die Grenze?

Der Verein geniesst einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung. Er zählt aktuell rund 200 Mitglieder und der Vorstand pflegt ein gutes Verhältnis zum Gemeinderat. «Das Bewusstsein für den Natur- und Landschaftsschutz ist auch bei den Behörden gewachsen», freut sich René Gächter und wünscht sich eine Zukunftsvision für die Gemeinde. «Wir sollten offen dis­kutieren, wozu und wie weit Horw wachsen soll.» Als Ökologe vertritt Gächter die Haltung, dass Horw bereits genügend Einwohnerinnen und Einwohner zähle und auch die Landwirtschaft und die Natur ihren Raum brauche. Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass es auch eine ökonomische Sicht zu beachten gilt. Er würde es sehr bedauern, wieder auf dem Startfeld von 1969 beginnen zu müssen, und hofft deshalb, dass es dem Gemeinderat gemeinsam mit der Bevölkerung gelingt, eine Zukunftsvision zu entwickeln, die den Ansprüchen der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit zu genügen vermag.