Horwer hälfed enand: Hilfe, die Mut macht

Auch in Horw leben Menschen in knappen Verhältnissen. Eine Zahnarztrechnung oder eine neue Brille kann ihr Budget sprengen. Der Verein «Horwer hälfed enand» unterstützt Menschen in Horw mit rascher, unbürokratischer Hilfe. Nicht mehr mit Gutscheinen, sondern via E-Banking.

Am Dorfmarkt 1986.
Der Verein «Horwer hälfed enand» hat seine Wurzeln bei der Winterhilfe Schweiz. Die Winterhilfe gab in Not geratenen Personen spezielle Einkaufsgutscheine ab, die in Geschäften in Horw eingelöst werden konnten. Bild vom Dorfmarkt mit Kilbi im Jahr 1986.

Wer eine neue Wohnung bezieht, muss ein Mietzinsdepot hinterlegen. Oft sind das zwei oder gar drei Monatsmieten. Wer an der Grenze zur Armut lebt, hat dieses Geld nicht. Auch eine Nebenkostenabrechnung oder eine Trennung kann Menschen in finanzielle Not bringen. Es gibt einen Verein in Horw, der in solchen Situationen rasch Hilfe leisten kann. Möglich macht dies die Solidarität der Hor­werinnen und Horwer.

Wurzeln bei der Winterhilfe

Der Verein «Horwer hälfed enand» hat seine Wurzeln bei der Winterhilfe Schweiz. Diese entstand im Kontext der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre, in der viele Menschen ihre Arbeit verloren und weder für Kleidung noch für Obst Geld hatten. Menschen in Not zu unterstützen, war auch das Ziel der Fürsorgekommission/Winterhilfe Horw, die 1952 ins Leben gerufen wurde. 1988 wurde daraus die Fürsorgekommission «Horwer hälfed enand». Der Motor dahinter war der damalige Leiter der Horwer AHV/IV-Zweigstelle und ehemalige Sozialarbeiter Alfred Müller. 2011 sagte er im Blickpunkt: «Die damalige Winterhilfe war nicht mehr zeitgemäss. Wir verbilligten in der Vorweihnachtszeit Äpfel, Kartoffeln oder Birnel und gaben in Not geratenen Personen spezielle Einkaufsgutscheine ab. Diese wurden häufig nicht eingelöst, weil sich die Betroffenen schämten, mit solchen Gutscheinen zu bezahlen.» Müller erkannte, dass man nicht so wirken konnte, wie man es sich wünschte.

Der Vorstand des Vereins «Horwer hälfed enand» 2019 (von links): André Triponez (Kassier), Peter Hruza (Öffentlichkeitsarbeit und Vertretung Be-völkerung), Irene Doppmann Koch (Aktuarin und Vertretung Bevölkerung), Martin Schelker (Vizepräsident und Vertretung ev.-ref. Kirche), Susanne Heer (Präsidentin), Benedikt Wey (Vertretung kath. Kirche), Edith Rüst-Kaufmann (Vertretung Gemeinde Horw 2019, ab 2020 Judith Ehrler), Romeo Zanini (Administration).

Spende führte zu Verein

2014 wurde «Horwer hälfed enand» schliess­lich zu einem Verein. Der Auslöser war eine grössere Spende, erzählt die ehemalige Gemeinderätin und aktuelle Vereinspräsidentin Susanne Heer: «Eine Person aus Horw machte uns eine Schenkung über 60’000 Franken. Daraufhin gründeten wir einen Verein, um eine klare Rechtsform zu haben.» Solch grosse Spenden sind die Ausnahme. Aber es gibt immer wieder Menschen, die grössere Beträge spenden. «Die Spendenbereitschaft ist nach wie vor gross», freut sich Susanne Heer. Viele Menschen spenden jedes Jahr. Auch über die Kirchen und Kollekten kommen grössere Beträge zusammen. Den Grund dafür sieht der Verein im bisherigen­ Wirken. «Viele gute Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark engagiert»,­ sagt Edith Rüst-Kaufmann, ehemalige Mitarbeiterin der Sozialberatung der Gemeinde Horw. Edith Rüst-Kaufmann arbeitete als Vertretung der Gemeinde Horw im Vorstand mit. «Man vertraut uns. Daher bringt uns die Horwer Bevölkerung grosses Wohlwollen entgegen. Dank dieses Rückhalts können wir Menschen in Not helfen und dazu beitragen, dass sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind.» Was Horwerinnen und Horwer bisher spendeten, kam und kommt den in Not geratenen Personen direkt zugute. Der gesamte Vorstand arbeitet ehrenamtlich und gibt kaum Geld für Werbung aus.