Villa Stutz: Spionagebüro im zweiten Weltkrieg

Die Villa Stutz in St. Niklausen spielte im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle. Dort liefen Informationen über die militärischen Entwicklungen aus ganz Europa zusammen. Dahinter steckte der Fotograf und Nachrichtendienst-Offizier Hans Hausamann. Bereits in den 1930er-Jahren hatte er einen Pressedienst aufgebaut, um für eine widerstandsfähige Schweiz zu werben.

Aufrüsten reichte nicht

Hausamann hatte sich intensiv mit der Landesverteidigung und Wehrpolitik der Schweiz befasst. Durch seine Kontakte ins Ausland erkannte er die Gefahr. Nach der Machtergreifung Hitlers forderte er, dass die Schweiz aufrüste und die Grenzen verstärke. Er schrieb Artikel und mobilisierte das Parlament. «Sehr rasch aber erkannte ich, dass dies alles nicht ausreichend, nicht abschreckend genug sein würde, um unser Land gegen einen Überfall zu schützen.» Hausamann setzte auf Informationen: «Das naheliegendste Mittel war, in Erfahrung zu bringen, wie die Führung des Dritten Reichs denkt, was sie erwägt, beschliesst, tut.»

Netz mit 80 Agenten

Hausamann baute auf eigene Kosten ein Spionagenetz mit rund 80 Agenten auf und gründete das «Büro Ha», Deckname «Pilatus». Damit beschaffte er während des Zweiten Weltkrieges Nachrichten über die militärische Entwicklung in Europa – erst auf eigene Faust, später in offiziellem Auftrag. Bis 1945 trug er rund 30’000 Informationen zusammen, so auch über die grösste je stattgefundene Panzerschlacht Hitlers 1943 gegen die Rote Armee bei Kursk.

«Büro Ha» in St. Niklausen

Das «Büro Ha» befand sich in seiner Villa Stutz in St. Niklausen nahe an der Stadtgrenze zu Luzern. Das Hauptgebäude wurde 1632 erstellt. Interessant dabei ist, dass Geschichtsbücher vom «Büro Ha in der Villa Stutz in Kastanienbaum» sprechen, obwohl die Villa Stutz immer in St. Niklausen lag. Zeitzeugen erzählten jedoch, dass sich auch im Hotel Kastanienbaum ein Zweig des «Büro Ha» befand. Am Tag des Waffenstillstands stellte Hausamann seine nachrichtendienstliche Tätigkeit ein und liquidierte sein Büro. In den 1990er-Jahren wurde die Villa Stutz zum Mehrfamilienhaus umgebaut. Zur Anlage gehörten eine Kapelle von 1641 (die heute auf dem Nachbargrundstück steht) und ein Garten-Pavillon von 1650, der unter Denkmalschutz steht.

Ruedi Zurflüh, Kastanienbaum

Historische Aufnahme der Villa Stutz aus der Publikation von Raphael Reinhard «Horw in Wort und Bild, 1882 – 1912».