Zwischenbühne: Ein Kulturhaus erfindet sich neu

In der Zwischenbühne hat ein neues Kapitel begonnen. Nach der Gründung und dem Brand drängte sich eine weitere Professionalisierung auf, damit das Kulturhaus eine Zukunft hat.

Ein Bühnenbild in der Zwischenbühne
Entstehung des Bühnenbilds des Theaterstücks «De Zauberer vo Oz», 2011 / 2012.

Prince gehörte zu den schillerndsten Figuren des Popzirkus. Das musikalische Multitalent schrieb Hits wie «Purple Rain» oder «Kiss». Ein Jahr nach seinem überraschenden Tod widmete die Zwischenbühne dem Künstler eine Musiknacht. An der «Prince Nite» 2017 interpretierten regionale Musiker wie Jet Turino, Pink Spider oder DJ Shice die Songs von Prince.

Mit «Nites» einen Namen gemacht

Die «Nites» gehören zur DNA der Zwischenbühne. Sie stellen jeweils einen Künstler wie Prince ins Zentrum, einen einzelnen Song oder ein Thema wie Regen, das über verschiedene Kunstformen erlebbar wird. «Wir haben mit den Nites ein neues Format geschaffen, das einzigartig ist und noch immer funktioniert», sagt Matthias Fellmann, der seit bald 20 Jahren im Vorstand und seit acht Jahren als Präsident des Vereins Zwischenbühne mitwirkt. «Da der Aufwand sehr gross ist, veranstalten wir nur eine bis zwei Nites pro Jahr.» An die Nites erinnert sich auch Markus Zumoberhaus – «und an lange Nächte», ergänzt er lachend. «Wir haben oft bis in die Morgenstunden aufgeräumt und dann irgendwo gefrühstückt.» Zumoberhaus war der erste Vereinspräsident und half mit, die Zwischenbühne aufzubauen.

Openair in der Horwer Badi

1981 veranstalteten junge Horwerinnen und Horwer in der Seebadi das Open Air «Musig am See». Ein Gewitter gegen Ende des Sommerabends machte den Initianten klar, dass sie für weitere Veranstaltungen einen Saal finden mussten. «Das Openair war Teil der Gründungsenergie. Genauso wichtig war uns aber, selber etwas zu bauen», sagt Markus Zumoberhaus. Die Jugendlichen kontaktierten die Genossenschaft Papiermühle. Den geeigneten Raum fanden sie schliesslich im Mitteltrakt der Papiermühle, wo sich die Zwischenbühne heute noch befindet. Die «erste Zwischenbühne» bestand jedoch nur aus einem Raum im oberen Geschoss unter dem Dach.

Die Zwischenbühne entstand in einem ehemaligen Wasch- und Trocknungsraum im Mitteltrakt der Papiermühle.

2000 Stunden Fronarbeit

Im Frühling 1982 begannen die Initianten den ehemaligen Wasch- und Trocknungsraum in einen Kulturraum umzuwandeln. «Andreas Di Gallo und ich nahmen ein halbes Jahr frei und bauten jeden Tag an der Zwischenbühne», erzählt Markus Zumoberhaus. «Das Bauen ist für mich die schönste Erinnerung an die Gründerzeit.» Im Herbst 1982 wurde die Zwischenbühne eingeweiht und bot eine breite Palette an Veranstaltungen: Konzerte und Lesungen, Theater und Puppenspiele, ergänzt mit Workshops und Ausstellungen. «Gestartet sind wir mit vier Scheinwerfern, die wir dem Stadttheater Luzern abgekauft hatten. Auch die Tonanlage war sehr rudimentär», sagt Zumoberhaus.

1991 brennt die “Zwischenbühne” nieder.

Uneinigkeit nach dem Brand

Zehn Jahre später der Schock: Im Mai 1991 wird die Zwischenbühne Opfer von Brandstiftung. Als die ersten Löschtrupps vor Ort eintreffen, stand das Holzgebäude bereits in Vollbrand. Personen kamen keine zu Schaden. Das mächtige Papiermühlegebäude konnte die Feuerwehr vor den Flammen schützen. Die Zwischenbühne aber wurde innerhalb weniger Minuten vollständig zerstört. «Ich kannte jede Ecke und jeden Nagel. Dass alles verbrannte und dass es dazu noch Brandstiftung war, machte mich traurig.» Markus Zumoberhaus erinnert sich weiter, dass sich der Vorstand nicht einig war, ob die Zwischenbühne wiederaufgebaut werden soll. «Es gab zwei Lager. Die einen waren für den Wiederaufbau, zu denen auch ich gehörte. Die anderen wollten kein Risiko eingehen und nichts Neues bauen.» Die Abstimmung im Vorstand fiel knapp zugunsten des Wiederaufbaus aus.

Zwei Präsidenten der Zwischenbühne: Matthias Fellmann (links) war bis Mitte Februar 2020 Präsident, Markus Zumoberhaus war der erste Präsident.

Freiwillige schwierig zu finden

25 Jahre später steht die Zwischenbühne vor neuen Herausforderungen. Das Kulturangebot ist gewachsen, das Ausgehverhalten hat sich verändert und das Stammpublikum ist verschwunden. «Früher hatte es in der Zwischenbühne rund 40 Personen, egal, was man veranstaltete. Das ist heute nicht mehr der Fall», sagt Matthias Fellmann. Die Zwischenbühne bietet weiterhin ein vielfältiges Programm mit Konzerten, Theater und Nites, unterstützt durch Programmgruppen und Freiwillige. Sie zu finden, wird immer schwieriger, sagt Fellmann: «Es gibt immer weniger Personen, die etwas veranstalten und sich ehrenamtlich engagieren wollen.» Für einen Abend lassen sich Helferinnen und Helfer als Barpersonal oder für die Künstlerbetreuung auftreiben. Aber Personen für den Vorstand zu finden, war aussichtslos.

Problem ungelöst

Der Plan B sah vor, dass die Zwischenbühne als fixer Veranstaltungsort an eine Veranstaltergruppe abgegeben wird. Das gelang nicht. Daher stellte der Vorstand 2017 eine Geschäftsführerin in einem Teilzeitpensum ein, die sich um das Programm und die damit verbundenen administrativen Arbeiten kümmert. Dieser Schritt brachte Entlastung, löste das Problem aber nicht. Vereinspräsident Matthias Fellmann, der mit seiner Familie mittlerweile in Basel wohnt, sowie andere Vorstandsmitglieder fanden weiterhin keine Nachfolger. Ein Generationenwechsel im Vorstand war nicht in Sicht. Der Vorstand suchte das Gespräch mit der Gemeinde und fragte: «Will die Gemeinde, dass es in Horw weiterhin ein Kulturhaus gibt? Falls ja, muss sich die Gemeinde in irgendeiner Form engagieren, damit das Haus weiter bestehen kann.» Der Vorstand konnte überzeugend aufzeigen, dass die Zwischenbühne viel Entwicklungspotenzial hat und mehr ist als ein Kulturhaus. «Es wird viel gebaut in Horw, unter anderem wächst der Campus. Infrastruktur und Grösse des Hauses lassen vielfältige Nutzung zu, auch tagsüber.» Matthias Fellmann denkt an Workshops und Kurse, an Elternnachmittage und Veranstaltungen von Vereinen.

Neustart als Kulturhaus Horw

Die Signale des Gemeinderates waren positiv. Es begann ein intensiver Prozess der Professionalisierung mit vielen Gesprächen. Im September 2019 gab der Einwohnerrat grünes Licht, die Transformation der Zwischenbühne Horw zum Kulturhaus Horw weiterzuverfolgen. Durch die Aufstockung der Stellenprozente wird die Zwischenbühne professionalisiert. Das Kulturprogramm von Horw wird in Zukunft in einer Programmgruppe mit verschiedenen Trägern des Horwer Kulturgeschehens koordiniert und zu grossen Teilen in der Zwischenbühne umgesetzt. Dies stärkt den Ort Zwischenbühne als kommunalen Veranstaltungsort mit hoffentlich regionaler Ausstrahlung.

Wandel gehört zur Zwischenbühne

Bei Matthias Fellmann und Markus Zumoberhaus ist keine Wehmut zu spüren. Für sie steht die Idee der Zwischenbühne über dem Namen oder konkreten Veranstaltungen. «Ob es in Zukunft die Nites noch gibt, ist sekundär», sagt Fellmann. «Es ist wichtig, dass dieser Ort weiterhin belebt ist und vielfältig genutzt wird. Das war immer die Idee der Zwischenbühne.» Dass sich die Zeiten geändert haben, sieht auch Gründungsmitglied Markus Zumoberhaus: «Es kann eigentlich nichts Besseres passieren, als dass sich die Zwischenbühne wandelt. Das gehört zur Grundidee der Zwischenbühne.»

Über 2000 Stunden Fronarbeit investierten die Initiantinnen und Initianten vor dem Start 1982.